Fritzis - Der Heimat-Pionier auf Sankt Pauli

 

Kleine Freiheit. Im entspannt und familiären Fritzis schnacken wir mit der Inhaberin Isi über Wichtigkeit von Willensstärke, Herzblut und Spaß bei der Arbeit. Dabei mampfen wir genüsslich eine Kohlroulade, die Mutti nicht hätte besser machen können.  

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Wann und wie kamst du hierher?

Isi: 1998. Ich habe mich damals einfach ins Auto gesetzt. Alles reingeschmissen, was ich hatte und bin losgefahren. Ich hatte nicht mal eine Wohnung. Also habe ich die ersten 14 Tage im Auto an der Elbe geschlafen. Ursprünglich komme ich aus Mecklenburg. Dort bin ich auf einem Bauernhof groß geworden.

Und was hast du dann gemacht?

Isi: Ich wollte eigentlich Medizin studieren. Aber aufgrund des Numerus Clausus hätte ich 6 Semester warten müssen. Das wären 3 Jahre! Also habe ich eine Arzthelferinnenausbildung begonnen. Das habe ich 5 Monate durchgehalten. 

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Und dann?

Isi: Dann habe ich eine Ausbildung zur Grafikdesignerin in einer Kunstschule gemacht. Aber schon bald habe ich gemerkt, dass Grafikdesign auch nicht mein Ding ist. Jetzt lebe ich meine Kreativität einfach im Kochen aus. Ich habe zum Beispiel den ganzen Laden selber gestaltet. Ich wollte nicht das typische Einheitsgrau, sondern etwas Individuelles, etwas Besonderes.

Wo kommt die Leidenschaft zum Kochen bei dir her?

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Isi: Ganz ehrlich? Ich habe nie gedacht, dass ich zum Kochen komme. Denn früher hatte ich nie wirklich Lust dazu. Bei uns gab es oft Sachen, wie Entenbraten. Das hat mich ziemlich genervt, weshalb ich ziemlich lange nicht gekocht habe. Als ich dann nach der Geburt meiner Tochter bei einem Catering für Filmproduktionen angefangen habe, hat sich alles geändert. Die Köche dort kochten nur mit Fertigprodukten. Das fand ich überhaupt nicht geil. Daraufhin habe ich mit meiner großen Klappe gesagt: Das kann ich besser! Ich hatte zwar noch nie für 40 Leute gekocht, aber ich dachte mir, mit Fleiß und Ehrgeiz ist alles machbar und schaffbar. Vorspeise, Hauptspeise und Dessert. Ich habe mir zwar fast in die Hose gemacht und war ein völliges Nervenbündel, aber es hat alles funktioniert. Das war der Tag wo ich Yes zu einem Restaurant gesagt habe.

Wie würdest du die Küche in Fritzis Osteria beschreiben? 

Isi: Viel Mittagstisch. Klassische deutsche Küche. Verspielt. Und immer ein bisschen anders. So langsam entwickelt sich auch das Frühstück richtig gut! Die Leute wollen einfach schon morgens hier sitzen und die Sonne genießen. Seit Juni haben wir auch eine kleine, überschaubare Abendkarte mit guten Weinen. Das Konzept ist dasselbe wie beim Mittagstisch. Nur etwas edler und hochwertiger.

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Woher nimmst du die Inspiration für deine Karten?

Isi: Meistens kommen mir direkt beim Einkaufen die Ideen. Ich versuche die Dinge generell immer einfach zu halten. Also nicht so viel Chichi. Dafür gibt es andere Läden. Ich will die Klassiker einfach aufwerten und anders machen. 

Ich schreib die Karte jede Woche neu. Das ist zum Teil auch mal ziemlich anstrengend. Aber unsere Gäste kommen oftmals jeden Tag und wollen nicht jeden Tag das gleich essen.

Hast du ein Lieblingsgericht?

Isi: Mein Lieblingsgericht sind Königsberger Klopse. Aber Senf-Eier oder Armer Ritter mag ich auch sehr gern.

Und gibt es was von dem du noch träumst? Was du noch erreichen möchtest?

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Isi: Ruhe! Das es so gut läuft, dass ich das Gefühl haben kann, mal weg sein zu können. Einfach mal weg ohne den ganzen Kopfstress. Denn ich hab ja auch noch andere Verpflichtungen. Ich habe zwei Kinder. Fritzi meinte Ältere, nach der ich den Laden benannt habe. Und Oskar. Er ist 5 Jahre alt und geht noch in die Kita. Der braucht gerade noch viel mehr Aufmerksamkeit.

Haben wir noch irgendetwas Wichtiges vergessen?

Isi: Man könnte noch erwähnen, dass der Service und alles gut aber eben nicht perfekt sind. Wir sind kein abgehobener, sondern ein ganz bodenständiger Laden mit ganz normalen Mädels. Die Meisten haben davor noch nie in der Gastronomie gearbeitet.  Meine Mädels verstellen sich nicht und sind gleichzeitig mit Herzblut und Freude dabei. Man bekommt dann auch mal einen Spruch um die Ohren gehauen. Es ist einfach alles ein bisschen fischkopfmäßig. Jeder kann so sein wie er will mit Ecken und Kanten. So mag ich das.

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Pappensatt und total zufrieden rollen wir aus dem Laden. Mit im Schlepptau ein Stück selbstgebackener Kuchen. Yummi!

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Adresse:

Fritzis Osteria / Kleine Freiheit 1 / 22767 Hamburg